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Ein weiter Weg von der PTA zum BeTreff

"Im Sommer 1972 kamen Mitglieder der St. Georgs-Pfadfinder von der Herz-Jesu-Pfarrei zu uns, den Eltern eines geistig behinderten Kindes, und erklärten sich bereit, mit uns eine Freizeitgruppe für Kinder mit einer geistigen Behinderung zu gründen.

Die Geburtsstunde der PTA (PFADFINDER TROTZ ALLEM)

Am Anfang war es schwer, die Eltern von behinderten Kindern für diese Idee  zu gewinnen. Sie hatten Bedenken, ihr behindertes Kind in eine Jugendgruppe zu geben. Noch gut in Erinnerung ist uns die erste Gruppenstunde. Aufgeregt die Kinder und etwas unsicher die jungen Gruppenleiter, wurde erste Tuchfühlung aufgenommen. Und die war so gut, dass alle davon Gewinn hatten, die sogenannten Nichtbehinderten von der fröhlichen, umkomplizierten Art der behinderten Kinder und diese von der Art, wie ihren Wünschen Verständnis entgegengebracht wurde. Schon bald wuchs die Gruppe. Innerhalb eines Jahres waren regelmäßig 30-35 Personen jeden Freitagabend auf dem Herz-Jesu-Platz versammelt und gingen in den St. Anna-Saal. Es kamen auch immer mehr Gruppenleiter, von denen einige heute noch dabei sind. Die Gruppenleiter waren mehrheitlich Schüler und Lehrlinge, und wir waren froh, wenn es viele waren, die diese aufwändige Betreuung leisteten. Die Gruppe wurde eine enge Gemeinschaft, die viel unternahm: allwöchentliche Gruppenstunden im Gemeindesaal der Herz-Jesu-Pfarrei, der uns 24 Jahre zur Verfügung stand und heute noch für große Feste genutzt werden darf, sportliche Aktivitäten, das Feiern der Jahresfeste, viel Kreatives, vor allem Theaterspielen und jedes Jahr eine Woche Winterfreizeit. Für uns Gruppenleiter waren die Freitagabende wohl die aufregendsten Stunden der Woche. Wir mussten viel lernen. Jedes behinderte Kind stellt ganz spezifische Anforderungen. Dafür wurden zweimal im Jahr Leiterschulungs-Wochenende veranstaltet. Wir besuchten Kurse für das Spielen mit Orff-Instrumenten sowie Rhythmik- Sport- und Theater-Kurse, speziell für diesen Personenkreis. Interessant und lehreich ist diese Zeit gewesen. Für die meisten von uns wurde es eine Lehre vom Menschenbild und prägend für die Einstellung zum Leben.

Dann kam das, was allen in dieser Welt geschieht, die Gruppe wurde älter und wir auch. Die Anzahl der ehrenamtllichen Gruppenleiter blieb gleich, aber von Seiten der Behinderten kamen immer neue Anfragen um Aufnahme in die Gruppe. Dabei waren wir schon mehr als 50 Personen jeden Freitag. Etwas Neues musste geschaffen werden: Wir wollten, dass diese Gruppe, die uns soviel Kraft gekostet und soviel Freude gemacht hat, weiter existiert, ja ausgebaut, neu gestaltet wird. Nach einem Wochenende aller PTA.-Gruppenlieter in München in einem Freizeittreff für behinderte Menschen reifte der Wunsch, in Singen einen offenen Treffpunkt für Menschen mit einer geistigen Behinderung zu schaffen: den BeTreff.

Ein Konzept entstand, Faltblätter für die Darstellung in der Öffentlichkeit wurden hergestellt. Alle Gruppenleiter der PTA engagierten sich, um diese Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Die Lebenshilfe Singen, die uns schon immer unterstützt hatte, erklärte sich nach Verhandlungen bereit, die Trägerschaft zu übernehmen. Die Arbeit war jetzt auch nicht mehr nur mit Ehrenamtlichen zu bewältigen, es mussten Hauptamtliche eingestellt werden. Die Singener Redaktion des SÜDKURIER machte ihre Weihnachtsaktion 1995 zu Gunsten des BeTreff. Die Menschen spendeten großzügig, und die Lebenshilfe Singen für Menschen mit einer geistigen Behinderung hatte für den BeTreff ein Startkapital. Der BeTreff öffnete nach einem Jahr intensiver Vorbereitung am 01. Februar 1996 seine Türen, an drei Tagen in der Woche."

Peter & Helga Nowak