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Jubiläum 50 Jahre Lebenshilfe Singen e.V.

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde der Lebenshilfe,
versetze ich mich in das Jahr 1965, in dem unser Verein gegründet wurde, so fällt es mir leicht, von meinem Treffen vor wenigen Wochen mit dem Gründungsvorsitzenden unseres Vereins der Lebenshilfe Sin-gen-Hegau zu berichten. Geistig noch sehr rege aber körperlich sehr belastet lebt Dr. Rolf Hettesheimer in Singen und läßt sie alle herzlich grüßen.
Die Intension zur Gründung des Vereins ging von Frau Dr. Mondon-Armbruster aus. Die Singener Kinderärztin wandte sich an ihn und seine Frau Elisabeth, deren behinderte Tochter in ihrer Behandlung war. Im Wiechernhaus in der Alpenstrasse waren erste Zusammenkünfte. Anfang Januar 1966 erfolgte nach einigem Schriftverkehr mit Tom Mutters, dem erst kürzlich verstorbenen langjährigen Bundesvorsitzenden der Lebenshilfe, die Gründung unseres Vereins. Einige Namen der Gründungszeit sollen hier erwähnt werden. Nebst der Kinderärztin waren es Frau Elfriede Hertrich und Herr Eduard Hertrich zusammen mit der Architektenfamilie Hans-Otto und Annemarie Frey aus Radolfzell, die tatkräftig mitwirkten.
Die erste Schule in einer Villa der Firma Maggi, der Spatenstich und Aushub der Werkstät-te für behinderte Menschen durch französische Pioniere, der erste Kindergarten mit Hilfe der Trägerschaft der evang. Kirchengemeinde unter besonderer Aktivität des damaligen Mitglieds der Lebenshilfe Oberkirchenrat Theo Odenwald im Oberlinhaus waren weitere Schritte zur Verbesserung der Lebenssituation für Menschen mit einer geistigen Behinde-rung, die 20 Jahre nach Beendigung des Unrechtstaates des 3. Reichs mit der Euthanasie der Menschen mit einer geistigen Behinderung immer noch teilweise versteckt wurden und von unserer Gesellschaft als Makel empfunden wurden.
Nach dieser Gründungsphase ging es aber bei uns, wie auch in den anderen Ortsvereini-gungen, immer besser mit der Akzeptanz von Menschen mit einer geistigen Behinderung in der Bevölkerung. Das Zusammenleben in der Gesellschaft war und ist geprägt von Subsi-diarität und Solidarität. Die Förderung erfolgte in allen Lebensbereichen. Unsere Dienste und unsere Angebote wuchsen.
Der offene Freizeit-Treff, der als PTA- Zusammenkunft begonnen hatte – „Pfadfinder trotz allem“ – wurde zum „BeTreff“. Der Familiendienst mit Beratung und Musikpädagogik folg-ten. Die Mitgliederzahl unseres Vereins wuchs stetig und liegt heute bei 324 Mitgliedern mit einem Verhältnis von 2/3 Betroffenen und 1/3 Nichtbetroffenen.
Für die nächsten 50 Jahre wünsche ich mir im Sinne der Menschen mit einer geistigen Behinde-rung und deren Angehörige, dass die bürokratischen Drangsalierungen deutlich zurück gehen, dass wir, die betroffenen Betreuer und Angehörigen dieser Menschen einen Hilfebedarfsplan be-kommen, der gerade bei volljährigen behinderten Menschen nicht 3 mal im Jahr kontrolliert wer-den muss, sondern über einen längeren Zeitraum Gültigkeit hat und dass die politischen Ent-scheidungsträger sich in den kommenden 50 Jahren überlegen, ob die Zahlung von Kindergeld für behinderte Menschen bis zu ihrem Tod noch zeitgemäß und nicht durch andere Beträge an diesen Personenkreis ersetzt werden kann und dass die betroffenen Menschen vor politischen Entscheidungen, die uns auch bei der Behindertenarbeit betreffen, mehr gehört werden.
Jetzt aber wollen wir feiern, dass es uns 50 Jahre gibt . 50 Jahre Lebenshilfe Singen-Hegau – weiter so.
Herzlich


Dr. Stephan Sauter-Servaes
1.Vorsitzender

(Auszug aus der Festschrift 50 Jahre Lebenshilfe Singen-Hegau e.V.)

Die Festschrift kann bei der Lebenshilfe Singen-Hegau e.V. bezogen werden.