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Nachruf Reinhard Labudda

Seine Einstellung "Das Leben geht immer  vorwärts" half Reinhard Labudda aus Wiechs am Randen oftmals im Leben, nicht zu resignieren. Den Mut für die Zukunft verlor  er auch nach seiner Bechterew-Erkrankung nicht.

Selbst eingeschränkt, war sie für ihn der Auslöser, eine „Stiftung behindertes Kind“ zu gründen. 2008 übertrug er sie an die Lebenshilfe Singen-Hegau e. V., aber dabei blieb es nicht. Reinhard Labudda unterstützt den Verein auch mit ganz praktischem Einsatz.

Man sieht es ihnen an: Die handgearbeiteten Holzartikel wie Spielzeug,Vogelhäuschen oder auch Gebrauchsgegenstände sind  professionell und mit Liebe zum Detail gefertigt. Die größte Arbeit hat Reinhard Labudda noch nicht beendet: Für die Freizeiteinrichtung für Behinderte (BeTreff) der Lebenshilfe baut er an einer rund vier Meter langen Schrankwand; nach seinen Plänen ganz individuell den Bedürfnissen im Multifunktionsraum  angepasst. Seit fast einem Jahr arbeitet er daran, seine Hände kann er durch die Beeinträchtigung seiner Bechterew Krankheit nur bedingt einsetzen.

1932 geboren ist Reinhard Labudda  widrigen Umständen in seinem Leben  stets mit Blick nach vorn begegnet.  Die Berufswahl war in den Nachkriegs-jahren schwierig, doch hatte er mit seinen praktischen Händen das Glück, eine gute Ausbildung als Möbelschreiner zu erhalten. Nach Anstellungen in seiner Heimatstadt Nürtingen ging er 1954  in die Schweiz und arbeitete als Schreiner in den Kantonen Schwyz und Zürich in verschiedenen Betrieben. Aber zum Leben blieb ihm nicht viel, auch die zusätzliche Ausbildung zum Innenarchitekten ohne nachweisbare Praxis veränderte diese  Situation nicht. So hängte er noch ein Studium zum Hochbautechniker an.  

Doch auch im Bereich Architektur lief es durch wirtschaftliche Probleme seiner Arbeitgeber nicht immer besser.  "Wenn ich keine Arbeit hatte, dann habe ich Büromöbel gebaut", erzählt Reinhard Labudda. Denn seine Einstellung ist: "Ich muss was machen und will nicht Däumchen drehen." Er wechselte in die Sparte Industriebau und arbeitete 22 Jahre in verschiedenen Ingenieurbüros, bis ihm mit 60 Jahren die Hände erlahmten.

1992 wurde dann die Bechterew- Krankheit festgestellt, seitdem ist Labudda Invalide. Aber er resignierte nicht, auch wenn er keinen Bleistift mehr halten konnte. "Es muss irgendwie weitergehen", habe er es immer wieder probiert. Mit eigenem Willen und Disziplin ist er heute soweit, dass er die Hände zu 50 Prozent wieder einsetzen kann.

Seit 1999 lebt Reinhard Labudda in Wiechs, wo er trotz Einschränkung handwerklich am Haus und in der Werkstatt arbeitet. Durch seine Krankheit wurde ihm bewusst, was es bedeutet, mit einer Behinderung zu leben. Er gründete 2004 eine „Stiftung behindertes Kind“, die er 2008 an die „Stiftung  Lebenshilfe Singen-Hegau für Menschen mit geistiger Behinderung“ übertrug. Die Stiftung trägt heute den Namen „Stiftung Lebenshilfe Singen-Hegau für Menschen mit Behinderung“. Sie kommt heute auch erwachsenen Behinderten und über den Familiendienst auch Eltern von Behinderten zugute.

"Ich weiß die Stiftung in guten Händen", sagt Reinhard Labudda. Sie trägt zur langfristigen Sicherung der Arbeit der Lebenshilfe bei, die als gemeinnütziger Verein auf Spenden angewiesen ist. Der 77-Jährige pflegt nicht nur Freundschaften mit den Besuchern des BeTreffs, zudem kümmert er sich um drei weitere behinderte Kinder. "Für die bin ich wie ein Opa, der sie jede Woche besucht und finanziell unterstützt",  schmunzelt er.

Christel Rossner